
Jede Socke, ein verschwundenes Leben #MissingSocksMissingLives
Fischmarkt Erfurt am 8. August 2026
Am 8. August 2026, dem internationalen Severe ME Awareness Day, verwandelt sich der Fischmarkt vor dem Rathaus in Erfurt in eine eindrucksvolle Wäscheleine der Solidarität. Wir hängen dort 15.000 Socken auf wobei jede einzelne Socke sinnbildlich für einen an Myalgischer Enzephalomyelitis (ME) erkrankten Menschen in Thüringen steht.
Warum Socken? Das unsichtbare Leid sichtbar machen.

Myalgische Enzephalomyelitis ist eine schwere, chronische und neuroimmunologische Multisystemerkrankung. Allein in Deutschland sind mindestens 650.000 Menschen davon betroffen (rund dreimal so viele wie MS-Erkrankte). Die Krankheit führt häufig zu einem hohen Grad der Behinderung und ist bislang weder heilbar noch medizinisch gut versorgt.
Das tückische an ME: Viele der schwer Betroffenen können das Haus nicht mehr verlassen oder sind sogar dauerhaft bettlägerig. Ihre einzige Verbindung zur Außenwelt findet oft nur noch über das Telefon oder die sozialen Medien statt. Sie verschwinden aus dem öffentlichen Leben – und damit aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein.
Mit dem alltäglichen Motiv der Socken machen wir diese abstrakte Zahl und die vielen Menschen dahinter im öffentlichen Raum sichtbar. Die Socken flattern im Wind und zeigen den Thüringern: Wir sind hier. Wir sind viele. Gleichzeitig schaffen die Socken einen völlig niederschwelligen Anlass, um miteinander ins Gespräch zu kommen – und um aufzuklären.
Eine Welle der weltweiten Hilfsbereitschaft
Die Reise unserer Socken-Aktion begann bereits im Sommer 2025, als einige von uns zusätzlich in der LiegendDemo Thüringen aktiv waren. Wir Betroffene müssen mit unseren eigenen – oft sehr geringen – Energieressourcen haushalten (dem sogenannten Pacing). Daher teilten wir die gewaltige Aufgabe der Vorbereitung in viele kleine Schritte auf.
Die anfängliche Idee, Socken in Tonnen zu sammeln, stammte vom Socken-Weltrekordhalter der Stadt Zeulenroda. In wunderbarer Zusammenarbeit mit dem Jenaer Kommunalservice wurden neue blaue Papiertonnen zu Sammelbehältern umfunktioniert und an verschiedenen Orten in Thüringen aufgestellt. Zwischen März und Juni sammelten wir so die ersten Tausende Socken.
Doch dann nahm die Aktion eine Dynamik an, die uns überraschte und berührte: Über unsere Postannahmestelle bei der IKOS in Jena erreichten uns plötzlich Pakete aus der ganzen Welt. Nicht nur aus Thüringen, Bayern, Hamburg oder von der Nordsee, sondern auch aus der Schweiz, den Niederlanden, Österreich und sogar aus Kanada!
Postmitarbeiter brachten uns kartonweise Lieferungen und staunten über das Ausmaß. Neben Erkankten und Angehörigen, sammelten auch Kliniken, Kindergartenteams, große Firmen, Feuerwehren, Kirchen und Vereine für uns Socken. In den Kartons lagen oft bewegende Nachrichten voller Solidarität, Hoffnung und Dankbarkeit, endlich gesehen zu werden. Am 10. Juni 2026 knackten wir die magische Marke von 15.000 Socken – mittlerweile sind es sogar über 18.000. Wir haben den Socken-Annahme-Stopp am 15. Juni verkündet und noch immer trudeln weiterhin Socken ein.

Gemeinsam stark
Wie hängt man 15.000 Socken auf, wenn einem die körperliche Kraft dazu fehlt? Die Antwort ist: Durch Zusammenhalt und ganz viel Planung.
Damit wir am Aktionstag nicht jede Socke einzeln anbringen müssen, überlegten wir uns diese Arbeit im Vorfeld auf viele helfende Hände zu verteilen. Zahlreiche freiwillige Teams (darunter Vereine, ein Englisch-Kurs, der Tagestreff vom Lebenshilfe Ilm-Kreis e.V., der Förderverein Zeitgeschenke Gera und viele freiwillige nette Menschen) haben sich in den Wochen zuvor unermüdlich getroffen, um jeweils 46 Socken an fertige Leinen zu knoten. Diese vorbereiteten Sockenketten müssen nun am 8. August in Erfurt „nur noch“ an die vorgesehenen Bauzäune befestigt werden. Ein logistisches Meisterwerk, das ohne die vielen helfenden Hände nicht möglich gewesen wäre.
💚 Danke an alle Unterstützer 💚

Förderung und finanzielle Unterstützung
💚 Unser herzlicher Dank gilt der IKK classic, die unser Projekt im Rahmen einer Projektförderung unterstützt.
💚 Eine besondere Geste erreichte uns über Lilli, die Mama von Leander. Im Dezember feierte Jens Nitschke, Vorsitzender des Radfahrvereins „Die Löwen Weimar“ seinen 60. Geburtstag. Von seinen Geburtstagsgästen wünschte er sich keine Geschenke, sondern eine Spende, um auf diese Weise das vor mehr als zwei Jahren schwerst an ME erkrankte Vereinsmitglied Leander (14 Jahre) zu unterstützen. „Wir als Verein können Leander nicht heilen. Aber wir können alles dafür tun, um Wege zu finden, damit dies möglich gemacht wird.“ Mit diesen Worten überreichte der Vereinsvorsitzende einen stolzen Betrag von mehr als 1.000 Euro an Lilli. Der Großteil der
Spende floss in die Organisation der LiegendDemo Thüringen 2026 in Jena sowie ein Teil in die Vorbereitungen dieser Socken-Aktion zum Awarenestag am 8.8.2026. Ein ganz großes Dankeschön für diese bewegende Geste an Jens Nitschke und Lilli Hallmann sowie an alle Spender und an das Team der Weimarer Radlöwen (die uns oft auch vor Ort tatkräftig unterstützen).
💚 Ein Teil des Projekts finanzieren wir aus Spenden von Angehörigen und Erkranten. Auch an euch alle: Vielen Dank für eure stetige Unterstützung trotz eurer Lebensumstände.
Sachmittel und Logistik
💚 Dem Kommunalservice Jena, stellvertretend Martin Steglitz, danken wir für seine wertvolle Unterstützun. Er ermöglichte es, sechs Papiertonnen zu Sammelbehältern umzufunktionieren, half tatkräftig beim Druck von Plakaten, vermittelte Kontakte – und ließ unsere Aktion sogar auf den Kommunalfahrzeugen sichtbar werden.
💚 Dem Arnstädter Möbelwerk danken wir für Lagerung unserer 50 Umzugskartons, den Transport und die Annhame der Pakete und Anlieferung der fertigen Socken-Leinen.
💚 Danke auch dem Socken-Weltrekordteam aus Zeulenroda für die ersten 500 Socken und die zündende Idee mit den Sammeltonnen.
Pacing-konform: Die fertigen Leinen lagern wir in Umzugskartons bis sie gebraucht werden

Sammelstellen und Postannahme
💚 Ein ganz besonderer Dank geht an die IKOS in Jena, die nicht nur eine Sammeltonne aufstellte, sondern als unsere Postannahmestelle die Pakete aus aller Welt entgegennahm.
💚 Für aufgestellte Sammeltonnen danken wir außerdem der Zentralklinik Bad Berka, dem Uni-Shop der Universität Jena, REWE Eismann in Jena, der Selbsthilfe-Kontaktstelle der Stadt Weimar und dem Zentrum für ambulante Rehabilitation am IZPL der Uniklinik Jena.
Sammeln und Anknoten
💚 Wir danken für die Hilfe beim Sammeln und Anknoten dem Förderverein Zeitgeschenke Gera (AWO), dem Kindergartenteam der Johanniskirche Weimar, der Lebenshilfe im Ilm-Kreis e.V., dem Kulturverein Ichtershausen, Karin Timm aus Eichleben, dem VfB Oberweimar rund um Conny Mauroner, dem Englisch-Kurs von Birgit Timm sowie dem Arnstädter Stadtkirchenamt für das Zur-Verfügung-Stellen der Oberkirche an heißen Tagen. Wir danken allen Selbsthilfegruppen, die uns begleitet haben, und unser größter Respekt und Dank gilt den vielen Erkrankten und Angehörigen, die beim Entstehen dieses Projektes so viel wertvolle Kraft und Energie investiert haben (und dies nicht selten mit Zustandsverschlechterungen eingebüßt haben).
Diese Liste wächst – so wie unsere Aktion gewachsen ist. Sollten wir jemanden vergessen haben, melde dich gern bei uns.


Projektträger: Selbsthilfe für Myalgische Enzephalomyelitis in Thüringen n.e.V. in Kooperation mit der LiegendDemo Thüringen
Projektzeitraum: 01. Juli 2026 bis 31. Oktober 2026
Aktionstag: 08. August 2026 (Internationaler Severe ME Awareness Day), Fischmarkt Erfurt
Projektförderung: Mit freundlicher Unterstützung der IKK Classic
